:ABTEI
ABTEI : BIBLIOTHEK

Als besondere Kostbarkeit der Abtei Marienstatt gilt die seit 1909 in einem neu erstellten Anbau untergebrachte Bibliothek.

In den alten Klöstern bezeichnete man die Bücherschränke und -nischen oft als "armarium", als geistige Rüstkammer. Die Buchbestände eines Klosters wurden häufig von den Mönchen selbst angefertigt, meist auf Grundlage von Buchleihgaben befreundeter Klöster. Der spezifische monastische Dienst der Mönche in der Ortskirche, Liturgie, Opus Dei und lectio, machte es notwendig, dass jeder Zisterziensermönch zumindest lesen können musste. Dem Gründungskonvent eines neuen Zisterzienserklosters mussten also die wichtigsten Werke für Gottesdienst und Lesung zur Verfügung gestellt werden. Sie bildeten den Grundstock der im Lauf der Zeit immer größer werdenden Bibliotheken.

Während in den ersten Jahrzehnten und oft auch Jahrhunderten der Buchbestand im Kreuzgang oder in unmittelbarer Nähe seinen Platz hatte, da hier auch gelesen und studiert wurde, machte die große Anzahl der Bücher, die geschenkt, selbst gefertigt oder gekauft wurden, häufig Neubauten nötig, die sich nicht mehr an die liturgischen und ideellen Gegebenheiten der klösterlichen Topographie anlehnten, sondern sich vielmehr den nunmehr geltenden Maßstäben humanistischer Bildung und auch dem geänderten Selbstbewußtsein angleichen mussten.

In Marienstatt sind zwei Vorgängerbauten für die Bibliothek überliefert: während der Säkularisation der Gebäude befand sich die nicht geringe Bibliothek ganz sicher im ersten Stockwerk des nördlichen Kreuzgangflügels.

Von dort aus wurde der Bestand entweder durch Plünderungen, Unachtsamkeit oder Beschlagnahme zerstreut. Immerhin konnte noch im Jahr 1811 auf Befehl der neuen Besitzer ein Katalog der vorhandenen Werke erstellt werden. Der nunmehr als Pfarrer in Marienstatt wirkende ehemalige Konventuale der vertriebenen Zisterziensergemeinde, Ignatius Gilles, führt dort wichtige und wertvolle patristische, kirchengeschichtliche und theologische Werke auf. Der zweite Raum, der in der Zeit der Wiederbesiedlung wohl als Bibliothek gedient haben mag, befindet sich am süd-östlichen Ende des Kreuzgangs.

Nach Fertigstellung des Bibliotheksneubaus im Jahr 1909, dessen äußere Formen den bestehenden Barockgebäuden angepasst wurden, konnte der immer weiter wachsende Buchbestand, der sich auf verschiedene Räume des Klosters verteilte, zusammengetragen und geordnet werden. Eine sich in vielen Klöstern bewährende Sachgruppen-Systematik bildet die Grundlage der Buchaufstellung.

Unter den nahezu 80.000 Bänden befinden sich nicht nur ideelle Kostbarkeiten, wie z.B. eine zwölf bändige, handschriftlich kopierte Sammlung der Generalkapitelsbeschlüsse aus der damals 800-jährigen Zisterziensergeschichte (ca. 1900 geschrieben) und z.T. vollständig dem Kloster vermachte Privatbibliotheken von Geistlichen, sondern auch wertvolle Handschriften und Drucke untergegangener Klöster des Ordens (Altenberg, Hardehausen, Kamp, Heisterbach, Heinrichau ...) und Geschenke anderer Zisterzienserklöster, die vor allem in der Zeit des geschätzten und verehrten ersten Abtes nach der Wiederbesiedlung 1888 und nachmaligen Bischofs von Limburg, Dominicus Willi, der Bibliothek übereignet wurden.

Seiner großen Liebe zum Zisterzienserorden und seiner freundschaftlichen Beziehungen zu vielen Äbten und geistlichen Würdenträgern verdankt die Bibliothek ihre reichen Bestände an ordens- und regionalgeschichtlichen, aszetischen und theologischen Büchern.

Die etwa 50, meist aus dem 17. Jahrhundert stammenden Bände, die sich aus der Marienstatter Bibliothek vor der Aufhebung 1803 im Bibliotheksbestand erhalten haben, konnten so ergänzt und vervollständigt werden.

Kostbare Bücher befinden sich in der heute so umfangreichen Sammlung: zu nennen sind nur: das so genannte "Marienstatter Psalterium", das zu Beginn des 14. Jahrhunderts auf Pergament geschrieben und mit z.T. interessanten Miniaturen verziert wurde, der "Liber de viris illustribus Ordinis cisterciensis" (Exordium Magnum) und ein "Nomasticon cisterciense", also eine Sammlung wichtiger zisterziensischer Gesetzestexte, beide aus dem 15. Jahrhundert. Mehrere Wiegendrucke (aus der Zeit bis 1500), ein wertvoller Erstdruck des Zisterziensermessbuchs von 1515 und ein 1602 gedruckter kolorierter Atlas, in dem auch Marienstatt zu finden ist, sind weitere Kostbarkeiten innerhalb des in den letzten vierzig Jahren bedeutend gewachsenen Buchbestandes.

Weitere Bilder finden Sie unter "Galerie".


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