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ABTEI : ENERGIEERZEUGUNG

"Der Wasserlauf diente im Klosterbereich zur Trinkwasserversorgung, zur Abwasserbeseitigung, zur Bewässerung der Gärten, zur Speisung der Fischteiche und nicht zuletzt zum Betreiben der verschiedenartigen Mühlen: der Korn-, Walk- und Lohmühle", so beschreibt W. Schich in einer Abhandlung mit dem Titel die "Wirtschaftstätigkeit der Zisterzienser" die traditionsreiche und vielfache Nutzung des Wassers. Einerseits spendete und erhielt das Wasser Leben für Menschen, Tiere und Pflanzen, andererseits ließ sich aus ihm mechanische Energie zur Erleichterung der Arbeit gewinnen.

Heute versucht das Kloster Marienstatt sowohl die Wasserkraft der Nister als auch die Energie der Sonne zu nutzen, um seinen Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung zu leisten wie auch kostengünstig Energie zu erzeugen. Die Wasserkraft erhielt einen neuen Anreiz, da sie sich zur Erzeugung von Elektroenergie anbot. Bereits 1914/1916 verkürzte man den mittelalterlichen Mühlbachlauf, indem man einen etwa 120 m langen Stollen durch den Fels trieb und dadurch ein höheres Gefälle erreichte, das bei der gleichen Menge Wasser eine größere Kraft auf die Wasserradschaufeln brachte, die einen "Dynamo" betrieben, d.h. Gleichstrom 110 Volt bei einem Leistungsvermögen von 6 - 8 kW erzeugten.

In den 50er-Jahren reifte mit dem wachsenden Energiebedarf der Plan, mittels einer Wasserturbine bzw. eines Drehstromgenerators Strom zu erzeugen, zumal die Abtei bis 1962 noch nicht an das öffentliche EVU-Netz angeschlossen war.

Um mehr Gefälle und damit mehr Kraft zu haben, wurde ein neuer Stollen von fast 400 m Länge oberhalb des bisherigen Stollens gebrochen. Im Dezember 1956 ging diese Anlage dann mit einer Jahresleistung von durchschnittlich 400.000 kWh Leistung in Betrieb.

Turbine und Generator wurden im Jahr 2002 durch eine mit moderner Technologie ausgestattete Anlage ersetzt. Das bedeutet eine Leistungssteigerung von 20 - 25 %, also eine Jahresproduktion von bis zu 500.000 kWh.

Mehr als "Demonstrationsanlage" denn als "großer Energiespender" betreibt die Abtei seit dem Jahr 2000 auch eine Photovoltaikanlage. Sie ist auf dem Dach des "Turbinenhauses" installiert, um Elektroenergie aus Sonnenenergie zu gewinnen bzw. die Technik zu demonstrieren. Dazu werden alle Daten über einen Computer auf einer großen Schautafel - im Gymnasium ablesbar - gespeichert.

Da Marienstatt sowohl im Tal liegt als auch von Wald umgeben ist, ergibt sich keine optimale Sonneneinstrahlung, aber immerhin werden ca. 3.000 kWh Elektroenergie im Jahr produziert.Die gesamte Umweltentlastung bei der Erzeugung von Elektroenergie beträgt etwa 500 t CO2-Ausstoß.

Wärmeerzeugung

In Marienstatt brennt im Grunde nur ein einziger "Heizofen", und zwar im Turbinenhaus, das zur "Energiezentrale" ausgebaut wurde. Von hier wird geradezu mit "Fernwärme" der gesamte Klosterkomplex einschließlich Gymnasium und Kirche versorgt und beheizt.

Als Hauptenergieträger steht das Wasser der Nister zur Verfügung. Mittels Tauschern und Wärmepumpen wird dem Nisterwasser Wärme entzogen und auf entsprechende Temperatur zur Erwärmung des Heizwassers gebracht. Die nötige Elektroenergie bietet die Turbine. Natürlich muss im Winter "draufgeheizt" werden, in Marienstatt mit Gas. Die Abgase werden abgekühlt und die zurückgewonnene Wärme wird dann wieder in den Heizungsvorgang zurückgeführt.

Im Jahr 2004 konnte eine thermische Solaranlage auf dem Dach der Schülerbibliothek errichtet werden, die jährlich ca. 40.000 kWh Wärmeenergie zur Aufheizung des Brauchwassers erbringt. Das alles zusammengefasst bedeutet, dass von den ca. 2,2 MWh Wärmeenergie, die das Kloster in einem Jahr benötigt, 55 % aus alternativen bzw. regenerativen Energien erzeugt werden und 45 % aus dem Brennstoff Gas.

Die Entlastung von CO2-Ausstoß beträgt hier etwa 1.200 t, zusammen mit der Elektroenergieerzeugung also schont die Abtei Marienstatt die Umwelt um etwa 1.700 t CO2-Emissionen.

Im Rahmen des Jahresprogramms wird Interessierten regelmäßig die umweltfreundliche Energieerzeugung in der Abtei Marienstatt gezeigt und erläutert.


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