:ABTEI
ABTEI : ORGEL
Orgelgeschichte

Die ersten Orgeln in der Abteikirche

Schon im 16. Jahrhundert hat es eine vorbarocke Orgel in Marienstatt gegeben. Sie war, wie neueste Befunde der Basilika-Sanierung ergeben haben, im von Westen gesehen vorletzten Joch auf der Nordseite des Hauptschiffes als „Schwalbennest-Orgel“ angebracht.
Für das Jahr 1611 lässt sich für die Abteikirche Marienstatt eine Orgel sicher nachweisen. Diese erste dokumentierte Nachricht bezeugt jedoch indirekt das Vorhandensein eines älteren Vorgängerinstruments: „Anno domini 1611. 23. iunius ist die new (!) Orgel ingebawet“. Über die Disposition dieser „neuen“ Orgel wissen wir leider nichts. Zum zweiten Mal wird die Orgel der Marienstatter Abteikirche in einer Inventarliste erwähnt, die 1633 in der Zeit der schwedischen Besatzung erstellt wurde. Hier schreibt der schwedische Kommissar von einer „zimblichen Orgell, unnd uff den Chor ein newes Positiv ahngefangen aber nicht ausgemachet worden“. Nach diesem Bericht glich die Marienstatter Abteikirche vielen Kloster- und Stiftskirchen, die zwei Orgeln besaßen. Die große Orgel hatte gewöhnlich ihren Platz auf der Westempore des Hauptschiffs und diente dem konzertanten Spiel, das in der Barockzeit eifrig gepflegt wurde, während das Positiv als Chororgel in der Nähe des Sängerchores stand und den Choral zu intonieren hatte. Ebenfalls im Inventarverzeichnis wird die dritte Orgel angeführt „in der Kusterey“. Wie es nach dem Idealplan einer Zisterzienserabtei Brauch war, lagen die Sakristei und das Armarium, die Bibliothek, neben der Kirche. Angaben über Größe und Prospekt der Instrumente, Anzahl der Manuale und Register fehlen gänzlich.

Über lange Zeit hindurch schweigen dann die Urkunden über den Zustand und die Beschaffenheit der Instrumente.

Aus den Mitteilungen eines Tagebuchs Ende des 18. Jahrhunderts geht hervor, dass sich die große Orgel auf einer Empore befand, zu der man vom Kloster aus durch einen Gang gelangte.
Tatsächlich bestätigen die Akten des Pfarrarchivs aus den Jahren 1830-55, dass die alte Klosterorgel, die den Katholiken für ihre Gottesdienste zur Verfügung stand, auf einer Empore vor dem Westfenster ihren Platz hatte. Die Konsolen, auf denen die Empore an der hinteren Wand verankert war, sind noch über dem Bogen der Kirchentür zu sehen.
Nach der Säkularisation der Abtei am 19. Oktober 1802 durften weiterhin Gottesdienste in der ehemaligen Klosterkirche stattfinden. Leider war das Instrument seit dieser Zeit sehr vernachlässigt worden, sodass es fast nicht mehr spielbar war.
Nach den Akten des Pfarrarchivs diente schon vor der Säkularisation des Klosters eine Orgel speziell dem Gottesdienst der vom Kloster seelsorglich betreuten Katholiken des protestantischen Kirchspiels Kroppach. Diese Orgel war bis um das Jahr 1830 in Gebrauch, wenn auch in schlechtem Zustand.

Die Westorgel von 1854

Nach langen Verhandlungen ließ der nassauische Fiskus 1854 auf seine Kosten durch Daniel Raßmann aus Möttau auf der Empore vor dem Westfenster ein neues Orgelwerk bauen mit folgender Disposition:

I. ManualII. Manual
Bordun16´Gedackt
PrinzipalSalizional
HohlflöteFlaut-traverso
OktaveWaldflöte
Gemshorn
Quinte2 2/3´Pedal
SuperoktavePrinzipalbaß16´
Cornett8´ (Diskant)Subbaß16´
Mixtur2-3fViolonbaß


Das Pfeifenwerk scheint teilweise aus der alten Klosterorgel übernommen worden zu sein. 1897 fügte Orgelbauer Horn aus Limburg dem Hauptwerk noch eine Gamba 8´ hinzu, wohl auf Anraten des neu eingetretenen P. Dominikus Pamler, der vorher Domorganist in Passau gewesen war. Die Orgel hatte mechanisch gesteuerte Schleifladen und stand in einem neugotischen Gehäuse. Sie vermochte jedoch nie den großen Kirchenraum ganz zu füllen. Der Spielschrank der Orgel befand sich an der linken Seite, das Gebläse rechts von der Orgel auf dem Kirchenspeicher über dem nördlichen Seitenschiff.
Obwohl im Sommer 1917 die im Prospekt stehenden Zinnpfeifen zu Kriegszwecken abgegeben werden mussten, spielte die Orgel trotz großer Mängel noch bis zur Kirchenrestauration 1941, bei der sie dann samt der steinernen Orgelbühne schließlich abgerissen wurde, um das Westfenster freizulegen.
Da diese Westorgel schon aus räumlichen Gründen für die Choralbegleitung der Mönche nicht geeignet war, behalf man sich beim Chorgebet seit 1901 mit einem Orgelharmonium.

Die neue Chororgel von 1912

Marienstatt hatte inzwischen einen guten Organisten bekommen, der mit dem vorhandenen Instrument recht unzufrieden war, den schon erwähnten P. Dominikus Pamler, der nach sechsjähriger Tätigkeit als Domorganist in Passau 1896 in das Zisterzienserkloster Marienstatt eingetreten war. 1912 endlich ließ Abt Konrad Kolb im nördlichen Querschiff eine neue Chororgel mit 45 klingenden Registern errichten.
Diese Orgel war ganz im Sinne der Romantik disponiert und fest in seinem Geiste verwurzelt. Das kam der Veranlagung und Vorliebe von P. Dominikus sehr entgegen, war er doch wie sein Landsmann Anton Bruckner zutiefst vom Gefühl der Romantik erfüllt. Joseph Rheinberger und Max Reger, mit dem ihn über dessen Tod hinaus eine tiefe Künstlerfreundschaft verband, beeinflussten nachhaltig seinen Stil. So war denn auch die 1912 gebaute Orgel „sein Werk“, die dann aber der großen Renovierung der Abteikirche im Januar 1941 weichen musste und schließlich in den Pfarrsaal ausgelagert wurde.
Da aber nach der Wiedereröffnung der Kirche der Pfeifenbestand der ausgelagerten Orgel sehr in Mitleidenschaft gezogen und inzwischen von Hamburg ausgehend durch die so genannte Orgelbewegung ein großer Wandel vollzogen war, erschien es nach dem Urteil der Fachleute nicht ratsam, die alte Chororgel unbesehen wieder aufzustellen.

Die Chororgel von 1950

So entschloss man sich, eine neue Orgel unter Verwendung der meisten alten Register zu bauen. Orgelbauer Anton Feith aus Paderborn begann am 2. Oktober 1950 mit dem Aufstellen dieser Orgel, die dann am 26. November in einer kirchenmusikalischen Feierstunde ihrem Dienst übergeben wurde. P. Dominikus führte bei der Orgelweihe selbst die einzelnen Register des neuen Werkes vor. Das neue Orgelwerk sollte Geschenk und Ausdruck des Dankes an P. Dominikus sein, der am 20. Dezember 1950 sein 60jähriges Priesterjubiläum feierte. Welche Begeisterung und Freude beseelten ihn, als ihm wieder eine Orgel zur Verfügung stand! Aber die Freude war nicht ungetrübt, fehlte der Orgel doch gänzlich der ihm so lieb gewordene romantische Charakter. Der gemütvolle Ausdruck der Klangfarben war nach Ansicht von P. Dominikus einem nüchternen, kalten Ton gewichen. Man versuchte, durch Umintonieren die klangliche Gestalt zu verbessern. Im Sommer 1952 wurden noch drei Register hinzugefügt, sodass die Orgel nun insgesamt 41 klingende Stimmen besaß.
P. Dominikus versah seinen Organistendienst weiterhin bis zu seinem Tod am 1. Juni 1955 in aller Stille und Bescheidenheit. P. Gabriel Hammer, sein letzter Schüler, suchte dann seinen Geist dankbar weiterzutragen.
Nachdem die Orgel durch häufige Reparaturen immer anfälliger geworden war, entschloss sich der Konvent in einer Abstimmung am 20. Dezember 1964, die Orgel an die Pfarrei St. Peter in Köln-Ehrenfeld zu verkaufen, was dann auch am 4. Januar 1965 geschah. Am gleichen Tag ging die Bestellung einer Leihorgel an die Orgelbauwerkstätte Rieger in Schwarzach/Vorarlberg heraus. Bereits am 18. Januar traf die Leihorgel in Marienstatt ein, die 11 Register hatte und bis zum 22. April 1969 in der Abteikirche gute Dienste bei der Begleitung des Gemeindegottesdienstes und des Chorgebets der Mönche leistete.

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