:GEMEINSCHAFT
GEMEINSCHAFT : ZISTERZIENSER
Bernhard von Clairvaux

Nach harten Jahren des Aufbaus und ausbleibenden Neuzugängen war der Eintritt des burgundischen Adeligen Bernhard von Fontaines (1090-1153) und seiner dreißig Gefährten im Jahr 1113 das entscheidende Ereignis: Seine Berufung, seine charismatische Persönlichkeit und sein Wirken zogen so viele Gleichgesinnte an, dass in kurzer Zeit vier Neugründungen vorgenommen werden mussten, nämlich La Ferté (1113), Pontigny (1114) sowie Clairvaux (1115) und Morimond (1115). Um das Gründerideal wach zu halten und die Beziehung der einzelnen Klöster zu regeln, schuf Abt Stephan eine Grundverfassung für den entstehenden Orden: die "Carta Caritatis". Sie wurde erstmals 1119, in ihrer Endfassung 1152 vom Heiligen Stuhl approbiert.

Durch sie erreichte das abendländische Mönchtum eine neue Phase seiner Entwicklung. Waren nach Benedikt die einzelnen Klöster noch völlig unabhängig voneinander, so kannte umgekehrt Cluny einen Verband von Klöstern, die vom Mutterkloster und dessen Abt gänzlich abhängig waren. Nach dem von den Zisterziensern entwickelten Modell sollte jedes Kloster seinen Abt haben und selbständig sein.

Zur Bewahrung der Einheit sollten jedoch alle Äbte jährlich zu einer gemeinsamen Versammlung (Generalkapitel) in Cîteaux zusammenkommen. Außerdem hatte jeder Abt jährlich jedes seiner Tochterklöster aufzusuchen (Visitation), um die Gemeinsamkeit zu fördern und etwaige Missstände zu beseitigen.

Die Carta formuliert das Wesen zisterziensischen Lebens so: "Wir wollen in einer Liebe, unter einer Regel und mit einheitlichen Gewohnheiten leben." ("Una caritate, una regula similibusque vivamus moribus.")

Bernhard wurde 1115, erst 25-jährig, erster Abt von Clairvaux. Er machte "clara vallis" - das lichte Tal - zum Ausgangspunkt eines weit verzweigten Filiationssystems. Bernhard selbst gründet 68 Klöster, davon in Deutschland der Überlieferung nach Eberbach im Rheingau und im Jahre 1134 das Kloster Himmerod in der Eifel. Durch sein kirchenpolitisches Wirken öffnete er seinen Orden bald aber auch für ganz Europa. Die Zisterzienser breiteten sich in den folgenden Jahrzehnten geradezu explosionsartig aus. Bernhard von Clairvaux setzte sich nicht nur für die Ausbreitung seines Ordens ein, sondern betätigte sich auch kirchen- und weltpolitisch.

Im Papstschisma ergriff er Partei für Innozenz II. Er stellte sich als Kreuzzugsprediger in den Dienst Papst Eugens III., seines Schülers. Außerdem war er ein emsiger Schriftsteller und Prediger. Das Ideal seiner Jugend jedoch hatte er praktisch aufgegeben; er, der beschauliche Mönch, lebte fast ständig außerhalb des Klosters. Den Zwiespalt empfand er deutlich und bezeichnete sich selbst als "Chimäre des Jahrhunderts". Als solche, so schrieb er, "verhalte ich mich weder wie ein Kleriker noch wie ein Laie. Das Leben eines Mönchs habe ich schon lange abgelegt, (nur) nicht die mönchische Kleidung".

Bei Bernhards Tod am 20. August 1153 gehörten zum neuen Orden insgesamt etwa 350 "Zisterzen" in Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland, der Schweiz, Österreich, England, Schweden und Polen. Ende des 12. Jahrhunderts zählte der Orden 530 Klöster.


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