:WALLFAHRT
WALLFAHRT : GESCHICHTE DER WALLFAHRT

Der Ursprung der Wallfahrt in Marienstatt ist in zwei Traditionen auszumachen, die im Laufe der Zeit zusammenwuchsen. Eine erste Tradition führt in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts. Bis dahin waren die Gottesdienste der Zisterziensermönche ausschließlich Gebet der Gemeinschaft, die Kirche blieb für Laien verschlossen.

Für ihre Seelsorge stand eine eigene Pfortenkirche bereit, wo für die Gäste Gottesdienste gefeiert wurden.

Auf Bitten der tiefreligiösen Familie der Grafen von Sayn entschied der päpstliche Nuntius in Köln, Bischof Alexander von Frodi, am 27.4.1476, die Mönche von Marienstatt sollten an drei Tagen das Gotteshaus von Marienstatt für Laien zur Gewinnung von Ablässen und zur Verrichtung ihrer Andachten öffnen.

Nachdem der Ordensvisitator, Abt Arnold von Altenberg, dieser Anordnung zunächst widersprochen hatte, entschied 1486 das Generalkapitel des Ordens, Abt und Konvent sollten der Bitte des Grafen Gerhard entsprechen und bestimmte den Montag und den Dienstag in der Fronleichnamsoktav zur Verehrung des Altarsakramentes und zur Gewinnung der Ablässe durch Frauen. Auf diese Zeit geht der "Große Wallfahrtstag" zurück, der am Oktavtag von Fronleichnam begangen wird. Bis heute haben Prozessionen aus den Pfarreien des Westerwaldes und des Siegtals, besonders aber von der "Trierischen Insel" die Tradition der Eucharistiewallfahrt aufrecht erhalten. Allein 5000 bis 6000 Wallfahrer pilgern jedes Jahr zum großen Wallfahrtstag nach Marienstatt.

Eine zweite Wallfahrtstradition hängt eng mit dem in Marienstatt aufgestellten Vesperbild, der so genannten Pietà, zusammen.

Ursprünglich sollte bei der Verehrung von Bildern dem Betrachter die Passion Christi vor Augen geführt werden und ihn zur emotionalen Teilnahme mit dem Dargestellten einladen. Dazu schienen besonders die Vesperbilder geeignet, bei denen Maria den Leichnam ihres vom Kreuz abgenommenen Sohnes im Schoße hält. Christus und seine Wunden sollten dargestellt und den Betrachtern nahe gebracht werden.

Erst gegen 1400 veränderte sich der Bedeutungsgehalt der Vesperbilder zum Gnadenbild Mariens. Sie wurden im deutschsprachigen Raum besonders verehrt.

So verwundert es nicht, dass seit dem 15. Jahrhundert auch in Marienstatt eine Pietà als Gnadenbild verehrt wird. Kunsthistorisch ist die Marienstatter Skulptur als eine Arbeit aus dem Umkreis der "Schönen Madonnen" einzuordnen, die um 1410 entstanden ist.

Im Jahre 1423 wurde auf einer Kölner Provinzialsynode das Fest der "Sieben Schmerzen Mariens" zur Sühne der mannigfaltigen Gräueltaten der Hussitenkriege eingeführt. Auch das Kloster Marienstatt, das seinerzeit im Kölner Kirchensprengel lag, griff diese Form der Marienverehrung auf.

Aus nah und fern, besonders aber aus den rheinischen Städten Köln, Düren, Jülich und Neuss kamen nun die Pilger in Scharen zum Gnadenbild von Marienstatt, um im Gebet ihre Anliegen Maria vorzutragen, um sie in großer Not um Hilfe zu bitten oder ihr für erfahrene Hilfe zu danken. Dabei führte sie der Pilgerweg oft zu den Gnadenstätten von Marienthal, Marienstatt und dem heute überwiegend protestantischen Marienberg - Orte, die schon damals durch einen Wallfahrtsweg verbunden waren.

Erste Rückschläge erfuhr die Wallfahrt, nachdem Graf Adolf von Sayn 1560 den neuen Glauben in seiner Grafschaft einführte und jegliche Wallfahrt verbot.

Erst Mitte des 17. Jahrhunderts änderten sich die Verhältnisse, als Graf Salentin Ernst von Manderscheid-Blankenberg den Katholiken wieder die Teilnahme am Gottesdienst in Marienstatt gestattete.

Kriegerische Unruhen vergangener Jahrhunderte, Pestzeiten, die Aufhebung des Klosters von 1803 bis 1888, und die große Bedrängnis in der Zeit des Nationalsozialismus konnten die Wallfahrt zwar behindern, aber nie zum Erliegen bringen. Heute suchen und finden wieder viele Pilgergruppen, aber auch Einzelpilger und Besucher den Weg zum Marienstatter Gnadenbild, um hier auszuruhen von ihren seelischen Nöten und Sorgen, zu beten, sich der Fürsprache Mariens anzuvertrauen und gestärkt in den Alltag zurückzukehren.

Das Gnadenbild von Marienstatt lädt die Pilger und Besucher ein, wie es der heilige Bernhard von Clairvaux sagt, "... mitten in den Gefahren, Nöten und Unsicherheiten an Maria zu denken und Maria anzurufen. Solange sie dich an der Hand hält, kannst du nicht fallen. Unter ihrem Schutz hast du nichts zu fürchten. Führt sie dich, ermüdest du nicht. Durch ihre Gunst kommst du sicher ans Ziel."


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